Facebook-Party: Festnahmen und Verletzte

Notizen   18.06.2011 | 11.36 Uhr

Es gab im Vor­feld der gro­ßen Face­book-Par­ty, zu der letzt­lich rund 1.600 Per­so­nen ihr Kom­men ange­kün­digt hat­ten, eigent­lich nur drei Sze­na­ri­en, wie der Abend ablau­fen könn­te: Ent­we­der es bleibt wei­test­ge­hend fried­lich (ein paar Zwi­schen­fäl­le gibt es bei sol­chen Ver­an­stal­tun­gen immer) und es wird eine tol­le Erfah­rung für die Rons­dor­fer. Ande­rer­seits kann auch das Wet­ter (es waren Regen­schau­er ange­kün­digt, die auch über Rons­dorf hin­weg­ge­zo­gen sind) sei­nen Teil dazu bei­tra­gen und die Par­ty vor­zei­tig been­den oder nur in einem klei­nen Kreis statt­fin­den las­sen. Oder aber es kommt zu grö­ße­ren Zwi­schen­fäl­len, es eska­liert und die Poli­zei muss ein­grei­fen. Dass es schließ­lich zu letz­te­rer Vari­an­te kam, bedau­ern alle.

Die „Asche­weg Night 2011“ hat­te zunächst wirk­lich locker und fröh­lich begon­nen. Bereits rund eine Stun­de vor dem „offi­zi­el­len“ Ver­an­stal­tungs­be­ginn hat­te sich eine grö­ße­re Grup­pe Jugend­li­cher im Asche­weg ver­sam­melt. Und im Lau­fe des Abends wur­den es dann auch immer mehr: Nach Poli­zei­an­ga­ben geht man von rund 800 Besu­chern aus. Wenn man bedenkt, dass bei der abge­sag­ten „Thes­sa-Par­ty“ in Ham­burg von 16.000 ange­kün­dig­ten Mit­feie­rern „nur“ 1.600 gekom­men waren, ist das eine äußerst gute Quo­te. Und die Wor­te von Stadt­spre­che­rin Mar­ti­na Ecker­mann klin­gen da fast schon wie Hohn: „Die 50 Leu­te, die da kom­men wer­den“, hat­te sie gegen­über dem Sonn­tags­Blatt zu Pro­to­koll gege­ben. Soll­te das rei­ne Dees­ka­la­ti­ons­po­li­tik sein? „Es waren 50 bis 500 Per­so­nen pro­gnos­ti­ziert“, erklär­te hin­ge­gen Poli­zei­spre­cher Det­lev Rüter noch am Frei­tag­abend. Und man hat­te durch­aus mit einem ruhi­gen Ver­lauf der Fei­er gerechnet.

Flaschenwurf brachte das Fass letztlich zum Überlaufen

Kurz nach 21.00 Uhr kipp­te die Stim­mung aller­dings ein wenig: Am Lau­fe des Ley­er­ba­ches neben dem Kauf­park wur­den auf einer klei­nen „Insel“ ben­ga­li­sche Feu­er ent­zün­det. Auch eini­ge Feu­er­werks­kör­per flo­gen. Es gab die ers­ten von – laut Feu­er­wehr – ins­ge­samt 16 Ver­letz­ten, die Poli­zei griff zu die­ser Zeit aber noch nicht ein. Eine Grup­pe von Ord­nungs­hü­tern der Bereit­schafts­po­li­zei pos­tier­te sich aller­dings an der Kreu­zung In der Krim /​ Zan­ders­hö­fe – und lenk­te so die Auf­merk­sam­keit eini­ger „Fei­ern­den“ auf sich, wel­che die Beam­ten mit Sprech­chö­ren „begrüß­ten“”. Als dann jedoch gegen 21.25 Uhr eine Bier­fla­sche in Rich­tung der Poli­zei flog und kurz vor den Ein­satz­kräf­ten auf dem Boden auf­kam, wur­de gehan­delt: Acht Beam­te stürm­ten in die Men­ge, „um bestimm­te Per­so­nen her­aus­zu­ho­len“, wie Poli­zei­spre­cher Rüter erklär­te. Zahl­rei­che Poli­zis­ten folg­ten unter Ein­satz von Pfef­fer­spray, um den Grün­strei­fen kom­plett abzu­sper­ren und die sich dort auf­hal­ten­den Per­so­nen ein­zu­kes­seln. „Wir woll­ten doch nur fei­ern“, erzähl­te eine jun­ge Augen­zeu­gin spä­ter: „Das hat auch den Unbe­tei­lig­ten rich­tig Angst ein­ge­jagt, als die da ange­rannt kamen.“

Nach und nach wur­den dann die anfangs 25 bis 30 Poli­zei­be­am­ten vor Ort durch wei­te­re Kol­le­gen von Hun­dert­schaf­ten aus dem gesam­ten Land ver­stärkt. Wäh­rend der Eis­mann sei­nen Stand­ort auf­ge­ben muss­te, kamen immer mehr Kran­ken- und Poli­zei­wa­gen in die Rons­dor­fer Innen­stadt. Lan­ge Zeit blieb die Situa­ti­on unge­wiss: Durf­ten die noch Anwe­sen­den auf der Stra­ßen­flä­che im Asche­weg wei­ter fei­ern? Schließ­lich kamen auch immer mehr Fei­er­wil­li­ge – auch aus ande­ren Wup­per­ta­ler Stadt­tei­len, aus Rem­scheid und sogar Autos mit Aache­ner Kenn­zei­chen (wo eine Face­book-Par­ty am glei­chen Abend ver­bo­ten wor­den war) mit Autos und Bus­sen nach Rons­dorf, wäh­rend die ers­ten in Gewahr­sam genom­me­nen mit einem Bus der Stadt­wer­ke in Rich­tung Unt­er­bar­mer Poli­zei­prä­si­di­um ver­bracht wurden.

Gegen 23.00 Uhr been­de­ten die Ord­nungs­kräf­te aller­dings die Face­book-Par­ty kom­plett und räum­ten – auch unter dem Ein­satz von Schlag­stö­cken, Pfef­fer­spray und Hun­den gegen reni­ten­te Stö­rer – das gesam­te Arre­al zwi­schen der Stra­ße In der Krim und der Lüttring­hau­ser Stra­ße. Wer mit­ten­drin war, konn­te durch­aus den Ein­druck gewin­nen, bei Kra­wal­len in Ber­lin oder Ham­burg zu sein, wenn sich die Men­ge flüch­tend in Gang setz­te. Ver­ein­zelt sah man schrei­en­de oder zusam­men­ge­sack­te jun­ge Leu­te, die eine Ladung Pfef­fer­spray mit­be­kom­men hat­ten und nichts mehr sehen konn­ten. Die Erst­ver­sor­gung fand aber nicht an bei­den Enden des Asche­wegs, son­dern nur im obe­ren Teil statt. Der Bus­ver­kehr – bei den Wup­per­ta­ler Stadt­wer­ken (WSW) hat­te man für den Rück­trans­port der Besu­cher kei­ner­lei Vor­keh­run­gen getrof­fen – war für rund drei Stun­den wegen die­ser Maß­nah­men kom­plett ein­ge­stellt, die Innen­stadt dicht. Ins­ge­samt wur­den wäh­rend der „Asche­weg Night“ im Lau­fe des Abends nach Poli­zei­an­ga­ben 41 Per­so­nen in Gewahr­sam genom­men und drei mit Straf­an­zei­gen wegen Kör­per­ver­let­zung, Land­frie­dens­bruchs und Wider­stan­des gegen die Staats­ge­walt bedacht. Der Auf­ru­fer zur Par­ty bei Face­book konn­te bis­lang nicht ermit­telt werden.

„Mehrzahl hat die Maßnahme in dieser Art nicht wahrgenommen“

Ent­spre­chend hoch koch­ten auch die Emo­tio­nen auf der Event­sei­te beim sozia­len Netz­werk: Wäh­rend die einen die Schuld für die Eska­la­ti­on auf die Poli­zei scho­ben, kri­ti­sier­ten ande­re das Ver­hal­ten eini­ger Teil­neh­mer: „Es muss immer irgend­wel­che Idio­ten geben, die sich zu sau­fen, rum­pö­beln, ran­da­lie­ren etc. und dann ist es kein Wun­der, dass die Ord­nungs­hü­ter das gan­ze Event dicht machen“, schrieb eine Besu­che­rin. Dem pflich­te­te ein ande­rer Nut­zer bei: „Wenn ich jedoch als stark alko­ho­li­sier­ter Mensch […] Fla­schen wer­fe, die Poli­zis­ten belei­di­ge oder sogar noch hand­greif­lich wer­de: Dann bin ich sel­ber schuld. Und dass die Poli­zei dann nicht mehr dif­fe­ren­zie­ren kann, wer […] gut und wer böse ist, ist doch klar.“

Auch Poli­zei­spre­cher Det­lev Rüter zeig­te sich über den Ver­lauf des Abends über­rascht: „Am Anfang war die Fei­er ja total fried­lich“, lob­te er die Anwe­sen­den. Dann hät­ten sich jedoch 30 bis 35 Jugend­li­che abge­son­dert, ben­ga­li­sche Feu­er ange­zün­det und „Stress gemacht“, was letzt­lich im Fla­schen­wurf auf die Beam­ten ende­te. Da hät­ten die Stö­rer dann aus der Men­ge “her­aus­ge­löst” wer­den müs­sen und man sei mit eini­gen Beam­ten hin­ein gegan­gen. „Die Mehr­zahl hat die Maß­nah­me in die­ser Art nicht wahr­ge­nom­men“, muss­te auch Rüter zuge­ben, sodass es im Anschluss auf­grund des man­geln­den Ver­ständ­nis­ses auch zu Pro­vo­ka­tio­nen und Ärger gegen­über den Beam­ten gekom­men sei.

Was bleibt nun von der Rons­dor­fer Face­book-Par­ty? Beson­ders her­aus­stel­len muss man natür­lich, dass der Poli­zei­ein­satz letzt­lich nicht durch die gesam­te Men­ge, son­dern durch Ein­zel­ne aus­ge­löst wur­de. Es war eine klei­ne Grup­pe, die durch Aktio­nen dafür sorg­te, dass die Poli­zei ein­schrei­ten muss­te. Ein Fla­schen­wurf reicht da durch­aus schon aus. Denn wenn der zuge­las­sen wird, kön­nen wohl anschlie­ßend noch wei­te­re fol­gen – denn die Beam­ten unter­neh­men ja nichts. Und dass sich die Situa­ti­on nach der Poli­zei­ak­ti­on durch­aus hoch­schau­keln kann, wenn auch (gege­be­nen­falls unter Alko­hol­ein­fluss ste­hen­de) Unbe­tei­lig­te durch Pfef­fer­spray oder Schlag­stö­cke getrof­fen wer­den, ist fast schon klar. Aus­schließ­lich von Jugend­li­chen zu reden, die nur „Ran­da­le“ machen wol­len, wie Bezirks­bür­ger­meis­ter Lothar Nägel­krä­mer bei Radio Rons­dorf die Situa­ti­on aus der Fer­ne – er weilt der­zeit in einer Reha-Maß­nah­me am Boden­see – beschrieb, kann aller­dings kei­ne Rede sein. Es waren die „übli­chen Ver­däch­ti­gen“, nach Poli­zei­an­ga­ben durch­aus der „Fan“-Szene um den Wup­per­ta­ler SV Borus­sia zuzu­ord­nen, die im Mit­tel­punkt des Gesche­hens standen.

Genug Möglichkeiten für Jugendliche? Medien in der Verantwortung?

Dass es über­haupt eine gro­ße Face­book-Par­ty in Rons­dorf gab, wirft natür­lich auch wie­der die Fra­ge auf, was in Rons­dorf den Jugend­li­chen und Her­an­wach­sen­den gebo­ten wird. Bezirks­bür­ger­meis­ter Nägel­krä­mer äußer­te ja, dass es genü­gend Mög­lich­kei­ten im Reh­sie­pen, in der Scheidt­sta­ße und bei den offe­nen Türen der Kir­chen gäbe, aber das reicht bei Wei­tem nicht aus. Was wird dort denn abends gebo­ten? Ist das auch wirk­lich für die Ziel­grup­pe der 16- bis 25-Jäh­ri­gen? Eher kaum. Da bleibt fast nur der Asche­weg, wo man sich all­wö­chent­lich zum Alko­hol­trin­ken ver­ab­re­det – oder die Rei­se ins Tal und nach Rem­scheid. „Es gibt kei­ne ver­nünf­ti­gen Mög­lich­kei­ten für Jugend­li­che über 18 Jah­re in Rons­dorf! Es war kei­ne Ran­da­le, es war eine nor­ma­le Fei­er“, schrieb ein Rons­dor­fer bei Facebook.

Zur Grö­ße der Face­book-Par­ty in Rons­dorf müs­sen sich aber auch die eta­blier­ten Medi­en in Wup­per­tal eini­ge Fra­gen gefal­len las­sen. Sicher­lich ging die Ein­la­dung im Inter­net auch so schon rund, es war Gesprächs­the­ma unter den Jugend­li­chen über­all im Tal. Aber wenn dann Radio Wup­per­tal zwei Tage vor dem Event bei Face­book offen fragt: „Wird es Cha­os geben? Ist das eine coo­le Idee? Wie fin­den Sie das? Gehen Sie sogar hin?“ und in sei­nem Pro­gramm regel­mä­ßig dar­auf hin­weist und die West­deut­sche Zei­tung (WZ) bei ihrem Twit­ter-Account einen direk­ten Link zur Ver­an­stal­tungs­ein­la­dung pos­tet und die­sen wei­ter ver­brei­tet, dann sta­chelt man die Leu­te an, dort hin­zu­kom­men. Dann wird die „Par­ty“ zu einer unkal­ku­lier­ba­ren Groß­ver­an­stal­tung für Ord­nungs­amt und Poli­zei – und das, ohne einen Ver­an­stal­ter zu haben. Die WZ hat ihren Link nach der Dis­kus­si­on mit einem Wup­per­ta­ler Twit­ter-Nut­zer dies­be­züg­lich gelöscht. Ein­sicht war aber nicht vor­han­den: Das sei „Ser­vice“ gewe­sen, hieß es von der Online­re­dak­ti­on. Wir bei RONSDORF|NET hat­ten die Event­sei­te in unse­rem war­nen­den Arti­kel vor der Ver­an­stal­tung auch ver­linkt – aller­dings „ver­steckt“ und nur als Beleg für die zitier­ten Aus­sa­gen. Und wenn 1.600 poten­ti­el­le Teil­neh­mer auf Face­book für die Anwoh­ner ein Gesicht bekom­men, dann weiß man, womit man es zu tun hat.

Letzt­lich kann Rons­dorf froh sein, dass die „Asche­weg Night 2011“ noch recht glimpf­lich abge­lau­fen ist. Ein paar Schlag­zei­len auch in über­re­gio­na­len Medi­en, dann wird sich die Auf­re­gung schnell gelegt haben. Auch wenn die Bevöl­ke­rung in Rons­dorf eher ein wenig älter ist, man soll­te die­sen Anlass den­noch nut­zen und die Ange­bo­te für die jun­ge Face­book-Ziel­grup­pe noch ein­mal auf die Agen­da set­zen. Es gibt auch Jugend­li­che in Rons­dorf – das ist kei­ne Rand­grup­pe! Das nächs­te Mal nicht auf der Stra­ße, in etwas klei­ne­rem Krei­se und mit einem Ver­an­stal­ter – dann wäre die Gefahr einer Eska­la­ti­on unter den Teil­neh­mern etwas geringer.

|  Marcus Müller  
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